Uniform

Unser diesmaliges Thema war die Uniform, hervorgehoben die Schuluniform. Am Anfang hat uns T. über die Geschichte der Uniform in Japan aufgeklärt. Sie ist in den 1870er Jahren aus Preußen nach Japan gekommen. Man hat also dem weltbekannten, streng uniformierten preußischen Modell gefolgt, wie viele damalige Länder. So hatte man Japan in vielen Bereichen des Lebens gleichförmige Kleidung getragen: Polizei, Militär, Schule usw.

Dann haben wir mit den Vor- und Nachteilen weitergemacht. Wie das in Deutschland üblich ist, haben wir mit den positiven Sachen angefangen. Die Uniform ist sehr gut, um Solidarität auszudrücken, außerdem stärkt sie das Zusammengehörigkeitsgefühl. Außerdem hat man morgens keine Qual der Wahl, es ist ganz einfach, die Kleidung auszuwählen. Man kann die Unterschiede zwischen den Reichen und Armen nicht erkennen, was eine relative Gleichheit ermöglicht. Für die Leiter ermöglicht die Uniform eine einfache Kontrolle, und man kann schnelle erkennen, wer zu der gegebenen Gruppe gehört.

Auf der anderen Seite gibt es einige Nachteile. Die Uniform kann vielleicht zu einem Minderwertigkeitsgefühl führen, wenn man sich der Schule schämt, in die man geht. Man kann die individuellen Eigenschaften so gut wie nicht zeigen, das kann Frustration und Identitätsstörungen verursachen. Die Familien müssen selbst für die Uniformen bezahlen, die sie dann auch sehr schön pflegen müssen. Regelmäßiges Waschen und Bügeln können das Leben von den Schülern schon erschweren. Die Uniform kann außerdem zu kalt oder zu warm sein, denn man kann sie nicht beliebig an das Wetter anpassen. T. hat auch gleichzeitig gesagt, dass er keine Uniform möge, das sei nur eine Form von Strafe und ein Symbol vom Totalitarismus, was nur die Autorität betone.

Unser Gesprächsanlass war noch der im letzten November stattgefundene Ideenaustausch in Fukuoka, bei dem Lehrer und Rechtsanwälte ihre Meinung über mögliche Veränderungen der Uniformen geäußert haben. Man hat viele Dinge vorgeschlagen, aber es wird noch sehr lange dauern, bis etwas tatsächlich wahrgenommen wird. Wir haben auch noch den LGBT-Aspekt angesprochen, sind aber der Meinung, dass man eher mit kleineren Schritten anfangen sollte. Es wäre nämlich im Falle von plötzlichen Veränderungen diesbezüglich bestimmt schockierend, wenn man auf einmal Mädchen in Jungenkleidung und umgekehrt sehen würde. Ein guter Weg wer unserer Meinung nach, dass Mädchen erlaubt wird, (vor allem im Winter) eine Hose zu tragen, oder dass man zumindest die Farbe der Schuluniform selbst auswählen kann. Es wird sicherlich sehr lange dauern, bis man auf diesem Gebiet etwas positiv verändern kann, denn auch heute werden zum Beispiel Frauen an Arbeitsplätzen, an denen man sich direkt mit Kunden beschäftigt, eine Uniform zu tragen. (Die Männer müssen auch einen Anzug tragen, das kann man auch als Uniform bezeichnen.) Leider ist die Denkweise der Durchschnittjapaner sehr konservativ, es ist ganz natürlich, Uniformen zu sehen. Wir hoffen aber schon, dass man in naher Zukunft doch einen Durchbruch erreicht.

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