Tourismus

Wir haben über Reisen und Tourismus gesprochen. Am Anfang haben wir Reisen im Allgemeinen und auch geschichtlich besprochen. Unter Reisen versteht man auf jeden Fall eine absichtliche Bewegung. So ist eine Völkerwanderung oder Flucht nicht so bezeichnet. Durch eine Reise kann man Vorurteile bestätigen oder abbauen, seinen Horizont erweitern, aber das kann auch eine Art Flucht vor dem Alltag oder der Gesellschaft sein. Der häufigste Grund ist natürlich einfacher Tourismus. Früher war das Reisen ein Zeichen der Intelligenz gewesen, allerdings war es gar nicht so einfach, sich auf längere Reisen zu begeben. Man brauchte Empfehlungsbriefe von prominenten Menschen, die einem ermöglicht haben, bei reicheren Familien zu übernachten. Viele Schriftsteller und Dichter waren oft unterwegs und haben über ihre Erlebnisse geschrieben. Die Harzreise von Hermann Hesse ist ein Beispiel dafür. Auch Künstler sind oft auf einer Reise, es gibt sogar das Wort „Wanderkünstler“.

Wir reisen auch aus verschiedenen Gründen, vor allem aus Neugierde auf Kultur, Gegenstände oder Architektur. Europa selbst mit seiner Denkweise und Wirtschaft ist uns schon reizend genug. Auch die lange und kampfreiche Geschichte kann einen anlocken. Man kann seine Sprachkenntnisse erweitern, regionale Spezialitäten kennenlernen und ausprobieren, sowie etwas Besonderes erleben. Wie alle reisen oft und gerne, wenn wir können. Auslandsreisen machen wir besonders gern, allerdings sind diese nicht so einfach zu veranstalten. Japaner können sich im Ausland vom Alltagsleben befreien, was bei uns auch ein sehr wichtiges Motiv sein kann.

Tourismus ist ein Wort, das man mittlerweile ganz anders konnotiert. Darunter versteht man vor allem an Massentourismus und an Orte, an denen man sich wegen der Menschenmenge kam bewegen kann. Man denke nur an Kioto, Venedig oder halt Weltkulturerbe-Stellen. Tourismus ist ein sehr wichtiger Marktplatz für den Kapitalismus, viele Städte und Orte hängen von ihm ab. Okinawa, Hawaii, aber auch Kioto leben praktisch von den Touristen aus dem In- und Ausland. In Japan benutzt man das englische Wort inbound mit der Bedeutung durch durch die Touristen einen Gewinn erzielen. Der Staat will Japan so gestalten, dass es auf dem Tourismus basiert, schließlich ist die wirtschaftliche Entwicklung des Landes ohne Touristen kaum vorzustellen. Man errichtet neue Hotels im japanischen Stil, hat Schilder und Durchsagen in mehreren Sprachen, und baut ein öffentliches W-Lan-Netz aus. Die Touristen können preiswerte Tickets kaufen und die Sehenswürdigkeiten eines „Klischee-Japans“ genießen: Samurai, Ninja, Geisha, Maiko, Teezeremonien, der Fuji oder Maid-Cafés. Auch Musicals werden in diesem Stil gemacht. Eine weitere Zielgruppe sind die Anime-Fans. Uns gefällt dieses verstellte Bild von Japan zwar nicht so sehr, aber wir sind auch immer froh, wenn wir im Ausland etwas Besonderes erfahren können, was sonst gar nicht typisch für den Alltag in dem Land ist. So haben wir eigentlich nichts gegen diese Entwicklung in Japan.

Allerdings ist es fraglich, was die Zukunft bringt. Wegen der Ausbreitung des neuen Virus kommen immer weniger Menschen nach Japan. Hotels melden bankrott, Fahrten und Flüge werden storniert, manchmal sogar von den Fluggesellschaften selbst. Man verändert die Öffnungszeiten, denn man will an Nebenkosten sparen. Wir hoffen sehr, dass Japan nicht in sein Verderben hineinstürzen muss, die Zukunft diesbezüglich liegt aber leider nicht in unseren Händen. Man hofft halt immer auf das Beste.

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