Brexit und andere Tendenzen

Wir haben diesmal über politische Tendenzen in Bezug auf die Großmächte geredet. Unser Ausgangspunkt war die Tatsache, dass Großbritannien mit dem 1. Februar aus der EU ausgetreten ist. Die Entscheidung damals die Ausschreibung der Volksabstimmung selbst hat viele Menschen auf der Welt schockiert. Es gab mehrere Gründe für den Austritt, von denen fast alle auf einer populistischen Art und Weise präsentiert worden waren. Vor allem der Hass gegenüber den im Land lebenden Menschen ausländischer Herkunft haben die Politiker ausgenutzt, um die Menschen zu einer Entscheidung für die Ausscheidung aus der EU zu animieren. Außerdem hat man den Bürgern Angst eingejagt, dass Flüchtlinge einfach ins Land kommen würden, wenn England weiterhin in der EU bleibt. Ein weitere Grund ist, dass alle Länder der EU regelmäßig bestimmte Pflichtbeiträge leisten müssen. Viele Briten sind der Meinung, dass Großbritannien nur bezahlt, aber keinen Gewinn bekommt. Interessant war bei den Auswertungen der damaligen Ergebnissen der Volksabstimmung, dass die meisten Regionen, in denen man sich für den Austritt entschieden hat, nur wenige Ausländer hatten. Man kann also sagen, dass die Menschen sich vor dem Unbekannten fürchten. (London hatte beispielsweise ganz wenige Stimmen für die Ausscheidung, wobei die Stadt von Ausländern wimmelt.)

Wir haben auch kurz darüber diskutiert, ob Brexit eine gute Entscheidung war. Wir alle waren dagegen, aber vielleicht aus unterschiedlichen Gründen. T. meinte, dass Großbritannien eine Art Arroganz habe, dass es über Europa stünde1. Da es ganz eindeutig nicht der Fall ist, sei der Austritt nicht gut. Y. hat eher mit historischen Fakten argumentiert. Sie meinte, man dürfe nicht vergessen, mit welchem Ziel die EU damals überhaupt ins Leben gerufen wurde. Die inneren Konflikte Europas könnten durchs Brexit wieder stärker werden. Ich meine, dass die EU an und für sich eine gut strukturierte politische und ökologische Einheit ist. Durch die Einschränkungen, die der Austritt mit sich bringt, wird Großbritannien sehr wahrscheinlich wirtschaftlich schwächer sein und dadurch weniger Einfluss auf die Welt haben.

Wir haben aber auch weitere Großmächte unter die Lupe genommen. Auf der Welt gibt es die Tendenz, dass es immer mehr rechtspopulistische Parteien an die Macht kommen. Diese sind oft Leute, die aus Oligarchen-Familien stammen und sowieso sehr einflussreich sind. Man denke nur an Donald Trump und seine Verwandtschaft. China, Russland und die USA haben alle Regierungen, die nur ihr eigenes Interesse vor Auge halten. Auch Japan geht in diese Richtung. Noch schlechter ist, dass andere Länder den Großmächten nachahmen wollen. In der Türkei hat Erdogan den Fremdenhass und die religiösen Dogmen verstärkt und auch in Ungarn nennt man den Ministerpräsidenten Orbán in den Medien einen „Mini-Hitler“. Diese Länder wollen keine Rolle als Weltregierer spielen, sondern eher die eigene Kultur und die Tradition bewahren. Vor allem seitdem man mehr Flüchtlinge in Europa hat, hat sich diese Denkweise verstärkt. Orbán hat sich sehr verändert, Fachleute für Psychologie meinen, dass er inzwischen an Megalomanie leidet.

Wir wissen nicht, wie sich die Zukunft der Welt politisch aussehen wird, aber eins ist sicher: Wenn diese Tendenzen so weitergehen, dann wird es sehr wahrscheinlich Konflikte mit schwerwiegenden Folgen geben.



1Niemand im Leben würde „stünde“ sagen, heute heißt das „stehen würde“. Ich habe das geschrieben, um zu zeigen, dass es so etwas früher gab.

Comments