Minderheiten

Wir haben diesmal über Minderheiten gesprochen. Ohne jegliche Definition haben wir in medias res angefangen, über ethnische und nationale Minderheiten in Europa und Japan zu sprechen. In Deutschland gibt es momentan vier offiziell anerkannte ethnische Minderheiten: die Dänen, die Friesen, die Sorben, sowie die Sinti und Roma1. Die Gesamtzahl dieser Volksgruppen ist nicht so hoch wie die von anderen Minderheiten wie zum Beispiel Türken. In Japan ist nur die Ainu-Volksgruppe offiziell als Minderheit registriert. Sie besteht laut einer Volkszählung aus dem Jahr 2017 aus 13.118 Menschen. Im Vergleich dazu gibt es viel mehr Koreaner, die in Japan geboren und aufgewachsen sind, aber keine japanische Staatsangehörigkeit haben. Über ihre Zahl gibt es mehrere Quellen, man kann sagen, dass sie mehr als 600.000 beträgt.

Die offiziell anerkannten Minderheiten verfügen über spezielle Rechte, sie dürfen zum Beispiel im öffentlichen Bereich ihre Sprache benutzen, Schulen und weitere Institutionen gründen und sie bekommen sogar Sitze (mit Vorrecht) im Bundestag. Selbstverständlich gelten auch die Verpflichtungen, die die Deutschen haben, beispielsweise Steuer bezahlen. Sie bilden also einen Teil des Landes und ihr Schutz ist in dem sog. Minderheitengesetz garantiert. Die nicht anerkannten, also (politisch nicht schön gesagt) geduldeten Minderheiten haben zwar Sprachgebrauchsfreiheit, aber der Staat ist nicht verpflichtet, in offiziellen Situationen Dolmetscher zur Verfügung zu stellen oder Dokumente in der Sprache der gegebenen Nationalität darzulegen.

Wie die Bürger die nationalen Minderheiten dulden, ist von Land zu Land und von Person zu Person unterschiedlich. Wir haben das nicht besprochen, aber es eine Tatsache, dass wenn Menschen einer Nation zur Minderheit werden, sie die Merkmale der Volksgruppe wie Religion, Sprache, Kultur gerne betonen und zum Ausdruck bringen, damit sie ihre Identität bewahren können. So tragen fast alle türkischen Frauen in Deutschland ein Kopftuch, wohingegen die in der Türkei nur selten etwas aufsetzen. Die Minderheiten wollen also ihre Kultur, ihr Anderssein betonen, was das Land selbst schön und bunt macht, aber die Integration erschwert. Dieses Verhalten ist vor allem für solche Menschen typisch, deren Aussehen von dem der Einheimischen gar nicht oder nur wenig abweicht. Ein weiteres Problem kann sein, dass die Nationalität keine Integration will. Sie bauen sich ein Viertel auf und leben nach ihren Regeln. Das ist zum Beispiel für Chinesen typisch. Es war und wird immer eine schwere Frage sein, wie man sich „richtig“ integriert. Am besten wäre natürlich eine Inklusion, die aber noch in keinem Land der Welt erfolgen konnte, denn das menschliche Gehirn ist biologisch gezwungen, alles zu kategorisieren. Alle Informationen werden also in eine mentale Schublade gelegt und geordnet.

Außerdem gibt es weitere Gruppen innerhalb einer (homogenen) Gesellschaft, die in Minderheit sind. Man nehme zum Beispiel die Volksgruppe „Burakumin“ in Japan. Ihre Existenz ist das Ergebnis eines falsch eingerichteten politischen Systems und hat nichts mit nationaler oder biologischer Herkunft zu tun. Leider gibt es auch heute Diskriminierung, man legt in Japan viel Wert darauf, woher man gekommen ist. Es werden zum Beispiel im Internet Adressenlisten verbreitet, die darauf hinweisen, in welchen Gegenden diese Menschen wohnen. Man spricht nicht darüber, aber die Abneigung ist schon zu spüren. Es gibt noch zahlreiche Minderheiten: Homosexuelle, Leute mit einer anderen Religion, Behinderte, Kranke, Arbeitslose u.v.a. Man kann nur hoffen, dass die Gesellschaften in Zukunft offener werden und ein jeder sich wohl fühlen kann, ohne diskriminiert zu werden.

1In Europa ist die Bezeichnung „Zigeuner“ gängig, das eher abwertend klingt und in öffentlichen Gesprächen vermieden werden sollte.


Comments